Myofunktionelle Störungen (Mundmotorikschwäche) bei Kindern
Mundmotorische Störungen (MFS) zeigen sich bei Kindern z.B. dadurch, dass sie Laute und Lautverbindungen nicht korrekt aussprechen können, z.B. lispeln und/oder undeutlich sprechen. Kinder, die eine schlaffe Mundmotorik haben, erkennt man zudem häufig an einer offenen Mundhaltung, oder vermehrtem Speichelfluss. Im Kindergartenalter fallen diese Kinder manchmal auch durch häufige Erkältungen auf, da sie durch die offene Mundhaltung sich häufiger anstecken. In anderen Fällen drücken die Kinder mit der Zunge zu stark gegen die Zähne sodass diese nach vorne gedrückt werden. Hier sollte möglichst vor der kieferorthopädischen Behandlung eine myofunktionelle Therapie einsetzen, da sonst die Zunge gegen die Zahnspange arbeitet und so die Behandlungszeit massiv verlängert wird. Kinder mit sehr schwacher Mundmotorik (konstant offenem Mund) werden von Außenstehenden – sehr zu Unrecht – manchmal für weniger intelligent gehalten. Dies liegt daran, dass dieses Symptom z.T. auch als Begleiterscheinung bei geistigen Behinderungen auftritt. Tatsächlich aber haben Schwächen in der Motorik rein gar nichts mit der Intelligenz zu tun. Ein Grund mehr frühzeitig eine Behandlung zu beginnen. Myofunktionelle Störungen sind, bei guter Mitarbeit der Eltern, sehr gut therapierbar.
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MUMO
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Förderung der Mundmotorik
Ursache myofunktioneller Störungen
Myofunktionelle Störungen können viele Ursachen haben. Häufig liegt das Problem in einer fehlenden körperlichen Grundspannung. Man merkt dies z.B. durch einen laschen Händedruck oder dadurch, dass bei mehreren Lauten (l, n, d, t, s, sch) zu Zungen zwischen die Zähne rutscht oder die Kinder auch bei ruhigen Tätigkeiten, z.B. beim Malen oder Fernsehen den Mund offen haben. Hier hilft eine gezielte Bewegungsförderung. Eine weitere Ursache kann Daumenlutschen oder ein sehr intensiver Schnullergebrauch sein. Hierbei kommt es zum Teil zum sogenannten offenen Biss, der Lispeln nach sich ziehen kann. Manchmal hat die Schwäche auch die Ursache darin, dass den Kindern feinmotorische (kleine, genaue) Bewegungen schwer fallen, dies zeigt sich dann oft auch bei andern Tätigkeiten, die präzise Bewegungen erfordern, zum Beispiel darin, dass die Kinder ungenau und ungern malen oder basteln.
Myofunktionelle Therapie
Myofunktionelle Therapie ( MFT ) wird vom Kieferorthopäden oder Zahnarzt im Einzelfall auch vom Kinderarzt oder Hausarzt verschrieben. Die Diagnose auf der Verordnung lautet MFS, myofunktionelle Störung, orofaziale Dysfunktion oder visceraler Schluckakt. In der Regel dauert die Behandlung ca. 20-30 Therapieeinheiten.
In der myofunktionellen Therapie wird ein intensives mundmotorisches Übungsprogramm erarbeitet. Es werden Übungen zur Kräftigung der Lippen- und der Zungenmuskulatur sowie Schluckübungen erarbeitet. Zudem bei Bedarf Übungen zur Lautanbahnung und Stabilisierung. Bei der myofunktionellen Therapie ist es ganz besonders wichtig, dass die Übungen auch zuhause weitergeführt werden, da nur durch regelmäßiges Üben langfristige Erfolge erzielt werden können.
Manchmal ist die Ursache für die mundmotorische Schwäche ein ganzkörperlicher Hypotonus (fehlende körperliche Grundspannung). Diese Kinder fallen durch eine eher blasse Hautfarbe und mangelnde Bewegungsfreude auf. In diesem Fall führen mundmotorische Übungen meist nicht zum gewünschten Erfolg. In diesen Fällen empfehlen wir unseren ganzheitlichen Therapieansatz. In die ganzheitliche myofunktionelle Therapie im Fon Institut werden sowohl unsere Ergotherapeutinnen als auch die Logopädin einbezogen. In der Ergotherapie wird intensiv am ganzkörperlichen Spannungsaufbau und an der präzisen Koordination von Bewegungsabläufen gearbeitet. Parallel dazu wird in der Logopädie ein mundmotorisches Übungsprogramm angeleitet. Zudem werden die Eltern intensiv angeleitet und beraten (siehe unten). Unserer Erfahrung nach können so sowohl die Therapiedauer als auch die Anzahl der Therapieeinheiten deutlich reduziert werden.
Folgende myofunktionelle (mundmotorische) Störungen, auch orofaziale Störungen genannt, behandeln wir bei uns im FON Institut Stuttgart:
- fehlender Mundschluss, Lippenschluss (offene Mundhaltung)
- falsche Zungenruhelage
- viscerales Schluckmuster (Zunge drückt beim Schlucken gegen die Zähne, dadurch werden oft auch die Zähne nach vorne geschoben)
- Koordinationsstörungen von Zunge oder Lippen
- Sigmatismus (Lispeln)
- Partielle oder multiple Interdentalität (Zunge liegt bei einigen Lauten oder auch ständig zwischen den Zähnen)
- Hypersalivation (verstärktes Sabbern)
- LKG, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte und andere orofaziale Fehlbildungen
- offener Biss und andere Zahnfehlstellungen, die ihre Ursache in einer orofazialen Dysfunktion haben.
Tipps für Eltern
Achten Sie darauf, dass das Kind gut kaut.
Dafür ist es wichtig, dass Sie nicht nur Toastbrot und weiche Speisen, sondern auch Körnerbrot und frisches Obst zum Essen geben. Je härter die Nahrung, desto intensiver und förderlicher der Kauakt. Hierdurch werden die Kiefer-, Lippen- und Zungenmuskulatur gekräftigt.
Fördern Sie körperliche Aktivitäten.
Gehen Sie mit ihrem Kind viel nach draußen. Spielen, klettern und rennen führt zu einem ganzkörperlichen Spannungsaufbau. Kinder die eine gute Grundspannung haben, haben in der Regel auch eine gute orofaziale (mundmotorische) Spannung. Auch ein Sportverein kann Wunder wirken.
Sprechen Sie viel mit dem Kind und achten Sie dabei auf eine deutliche Aussprache.
Deutliches Sprechen kräftigt Lippen und Zunge. Hilfreich kann auch die Teilnahme an einem Chor sein.
Fördern Sie die Präzision.
Myofunktionelle Störungen haben häufig ihre Ursache in Problemen mit der Bewegungskoordination. Die feine Steuerung der Zunge beim Sprechen fällt den Kindern häufig noch schwer. Meist zeigt sich die Schwäche auch beim Malen durch eine grobe Stiftführung oder beim Spielen durch Auffälligkeiten bei feinen Bewegungen (z.B. eine Spielfigur sauber aufs nächste Feld zu setzen). Zudem sind diese Kinder häufig bei der Durchführung von Tätigkeiten schnell und eher ungenau. Auch hier ist aus unserer Sicht ein ganzheitlicher Ansatz mit Logopädie und Ergotherapie sinnvoll (siehe oben).
Mehr Informationen unter: www.foninstitut.de
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